Bewässerung

Bewässerung planen: Wasserbedarf ermitteln und Systeme auswählen

Bewässerung planen: Wasserbedarf in Liter pro Quadratmeter und Tag berechnen, Tropf- und Sprühbewässerung auslegen, DIN 18035 und Fördermittel nutzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wasserbedarf: Zierrasen 3 bis 5 Liter pro Quadratmeter und Tag in einer Hitzeperiode, junge Staudenbeete 3 bis 5, etablierte Gehölzflächen 1 bis 3.
  • Tropfline trägt 3 bis 6 Millimeter pro Stunde aus, Sprüh- und Versenkregner 10 bis 25 Millimeter pro Stunde.
  • DIN 18035-2 regelt die Bewässerung von Sportfreiflächen, DIN EN 1717 schützt das Trinkwassernetz bei Zisternen- oder Brunnenwasser.
  • Jeder Kreis wird durch den schwächsten Wert begrenzt: verfügbarer Durchfluss, Druck am Regner oder Versickerungsrate des Bodens.
  • Fördermittel für Klimaanpassung und Regenwasserbewirtschaftung richten sich überwiegend an Kommunen und werden jährlich neu aufgelegt.

Wasserbedarf in Liter pro Quadratmeter und Tag

Die Planung beginnt mit einer Bilanz. Was über Boden und Blätter verdunstet, muss über die Wurzeln nachgeliefert werden. Ein Millimeter Wassersäule entspricht genau einem Liter Wasser pro Quadratmeter.

Die Referenzverdunstung (ET0) erreicht in Deutschland während sommerlicher Hitzeperioden 3 bis 5 Millimeter pro Tag. An windigen Tagen mit hoher Globalstrahlung sind kurzzeitig 6 Millimeter möglich. Die Zahl beschreibt den Verlust einer kurz gehaltenen, gut versorgten Grasnarbe.

Für andere Pflanzungen wird die Referenzverdunstung mit einem Kulturkoeffizienten multipliziert. Dichter Rasen liegt nahe 1,0. Etablierte Gehölze kommen mit 0,3 bis 0,5 aus, weil sie tief wurzeln und ihre Spaltöffnungen bei Trockenheit schließen.

Flächentyp Kulturkoeffizient Bedarf in Liter pro Quadratmeter und Tag Hinweis
Zierrasen 0,8 bis 1,0 3 bis 5 Wurzelraum 10 bis 15 Zentimeter
Sportrasen 0,9 bis 1,0 4 bis 6 dichte Narbe, hohe Verdunstung
Staudenbeet, neu gepflanzt 0,8 bis 1,0 3 bis 5 Wurzeln noch nicht erschlossen
Staudenbeet, etabliert 0,5 bis 0,7 2 bis 4 Bodenbedeckung senkt die Verdunstung
Gehölzfläche, etabliert 0,3 bis 0,5 1 bis 3 tiefe Wurzeln, seltene Gaben

Die Werte gelten für eine windoffene Lage ohne Verschattung. In Innenhöfen, unter Baumkronen oder an Nordfassaden sinkt der Bedarf deutlich. Kontrollmessungen mit einer Wasseruhr am Kreis und Bodenproben mit dem Spaten zeigen, ob die Annahmen tragen.

Dazu kommt der Anteil, der nicht ankommt. Winddrift, Verdunstung während des Regnens und Benetzung der Blätter kosten je nach System 10 bis 30 Prozent. Wer diese Verluste nicht einplant, lässt die Anlage dauerhaft zu kurz laufen.

Ein Feldtest schärft die Werte. Nach einer Gabe von 15 Millimetern wird zwei Stunden später ein Spatenstich gesetzt. Ist der Boden in 15 Zentimetern Tiefe feucht, passt die Gabe. Bleibt er trocken, war die Austragsrate zu hoch oder die Laufzeit zu kurz.

Rechenbeispiel: 2.000 Quadratmeter in fünf Schritten

  1. Teilflächen trennen: 1.200 Quadratmeter Zierrasen, 500 Quadratmeter junge Staudenpflanzung, 300 Quadratmeter etablierte Gehölzfläche.
  2. Tagesbedarf je Teilfläche rechnen: Rasen 1.200 × 4 = 4.800 Liter, Stauden 500 × 3 = 1.500 Liter, Gehölze 300 × 1,5 = 450 Liter.
  3. Summe bilden: 6.750 Liter pro Tag, also 6,75 Kubikmeter. Über sechs heiße Tage sind das rund 40 Kubikmeter.
  4. Gabehöhe festlegen: 18 Millimeter auf 2.000 Quadratmeter entsprechen 36 Kubikmetern. Diese Menge deckt bei 6,75 Kubikmetern Tagesbedarf vier bis fünf Tage ab.
  5. Liefergrenze prüfen: 36 Kubikmeter in drei Stunden bedeuten 12 Kubikmeter pro Stunde oder 200 Liter pro Minute. Ein Trinkwasser-Hausanschluss liefert dagegen nur 1,5 bis 2,5 Kubikmeter pro Stunde, also 25 bis 42 Liter pro Minute.

Der letzte Schritt entscheidet über die Technik. Entweder läuft die Anlage in vielen Kreisen nacheinander über mehrere Stunden. Oder es kommt eine eigene Wasserquelle mit Pumpe hinzu, etwa ein Brunnen oder eine Zisterne mit Saugpumpe.

Boden, Wasserquelle und rechtliche Grenzen

Der Boden ist der erste Speicher. Sandige Böden halten 60 bis 100 Liter pro Quadratmeter im durchwurzelten Meter, schluffige Lehmböden 150 bis 200 Liter. Ton speichert noch mehr, gibt das Wasser aber nur langsam ab.

Entscheidend ist die Versickerungsrate. Sand nimmt 20 bis 30 Millimeter pro Stunde auf, schluffiger Lehm 8 bis 15, Ton 2 bis 5. Liegt die Austragsrate der Regner darüber, fließt Wasser oberflächlich ab und fehlt in der Tiefe.

Eine geschlossene Bodenbedeckung senkt den Bedarf. Mulch, Bodendecker oder eine dichte Grasnarbe reduzieren die Verdunstung an der Oberfläche um 20 bis 30 Prozent. Beregnet wird deshalb am besten in den frühen Morgenstunden, wenn Wind und Verdunstung gering sind.

Als Wasserquelle kommen Trinkwasser, Brunnen, Zisternen, Oberflächenwasser und aufbereitetes Grauwasser infrage. Jede Quelle hat eigene Anforderungen an Filter, Pumpe und Genehmigung. Regenwasser aus Zisternen ist kalkarm und für Tropfbewässerung gut geeignet, solange ein Feinfilter vorgeschaltet wird.

Die Entnahme aus Grund- und Oberflächenwasser ist nach dem Wasserhaushaltsgesetz erlaubnispflichtig. Zuständig ist die Untere Wasserbehörde beim Landkreis oder bei der kreisfreien Stadt. Trinkwasseranschlüsse mit Zusatzquelle brauchen nach DIN EN 1717 einen freien Auslauf oder einen Systemtrenner.

Systeme auswählen: Tropf-, Sprüh- und Regnerbewässerung

Die Systemwahl folgt der Bepflanzung, nicht dem Budget. Tropfbewässerung arbeitet mit geringem Druck und bringt das Wasser punktuell in den Wurzelraum. Sprühregner und Getrieberegner verteilen es flächig über die Blätter.

System Austragsrate in Millimeter pro Stunde Typische Fläche Stärke Grenze
Tropfline 3 bis 6 Beete, Hecken, Baumreihen direkt in den Wurzelraum, kaum Verdunstung Tropfer verstopfen bei Eisen und Kalk
Mikrosprinkler 10 bis 20 Staudenbeete, Anlagen, Jungpflanzen deckt größere Flächen je Strang Winddrift, Blattnässe
Sprühregner, versenkbar 15 bis 25 kleine bis mittlere Rasenflächen gleichmäßige Verteilung auf kurzer Distanz hohe Wasserrate, Abfluss auf schweren Böden
Getrieberegner 12 bis 20 Sportplätze, Parks, große Rasenflächen Wurfweite bis 20 Meter hoher Durchflussbedarf

Für Beete mit lockerer Pflanzung ist Tropfbewässerung die wirtschaftlichste Lösung. Sie hält Blätter trocken, was Pilzbefall bremst, und lässt sich je Pflanzreihe regeln. Herstellerunterlagen liefern Tropfabstände, Durchfluss und Druckangaben, etwa in den Produktinformationen zur Tropf- und Sprühbewässerung von Hunter Industries.

Auf Rasenflächen übernehmen versenkbare Sprüh- und Getrieberegner die Arbeit. Entscheidend ist die gleichseitige Anordnung: Der Abstand zwischen zwei Regnern entspricht der Nennwurfweite, sonst entstehen trockene Streifen. Diese Bemessungsdaten stehen in den Planungsunterlagen für Bewässerungssysteme für Grünflächen, die Rain Bird veröffentlicht.

Gemischte Anlagen trennen beide Welten in getrennte Kreise. Tropfschläuche laufen mit eigenem Druckminderer, Regnerkreise mit vollem Leitungsdruck. Ein gemeinsames Steuergerät schaltet die Ventile nacheinander, damit die verfügbare Wassermenge nie überschritten wird.

Hydraulische Auslegung und Steuerung

Kreise werden nach Pflanzung, Besonnung und Bodentyp gebildet. Ein Kreis enthält nur Flächen mit ähnlichem Bedarf, sonst überwässert der eine Teil, während der andere vertrocknet.

Regner dürfen nur bis zur Nennwurfweite auseinanderliegen, und zwar in gleichseitigen Dreiecken oder Quadraten. Die Summe ihrer Durchflüsse muss der Kreis liefern können, ohne dass der Druck am entferntesten Regner unter den Nennwert fällt.

Im Rohrnetz gilt eine Fließgeschwindigkeit von höchstens 1,5 Metern pro Sekunde. PE-HD-Rohre mit 25, 32 oder 40 Millimetern Außendurchmesser decken die üblichen Anlagen ab. Lange Zuleitungen kosten Druck, deshalb gehört der Druckverlust in die Berechnung.

Die Pumpe wird nach Durchfluss und Förderhöhe ausgewählt, nicht nach Leistungsangabe auf dem Typenschild. Ein Vorfilter vor Eintritt in die Tropfleitungen verhindert Verstopfungen durch Sand und organische Reste.

Die Steuerung übernimmt das Steuergerät mit Magnetventilen je Kreis. Regen- und Bodenfeuchtesensoren schalten bei ausreichender Feuchte ab. Zyklenfunktionen teilen eine Gabe in mehrere kurze Läufe, damit das Wasser auf schweren Böden versickern kann.

Nach der Inbetriebnahme werden alle Kreise einzeln gemessen. Durchflussmengen über der Auslegung deuten auf undichte Stellen oder falsch eingestellte Regner. Vor dem Winter wird die Anlage entwässert und mit Druckluft ausgeblasen.

Normen: DIN 18035, DIN 18916 und Trinkwasserschutz

In der Normenreihe DIN 18035 behandelt Teil 2 die Bewässerung von Sportplätzen, Teil 3 die Entwässerung und Teil 4 die Rasenflächen. Für kommunale Sportanlagen sind diese Teile die übliche Grundlage der Ausschreibung.

Für Pflanzflächen greifen die vegetationstechnischen Normen. DIN 18916 behandelt Pflanzen und Pflanzarbeiten, DIN 18919 die Fertigstellungs- und Entwicklungspflege. Beide sind maßgeblich, wenn Wasserbedarf und Pflegeumfang in der Anwachsphase vertraglich festgelegt werden.

Was Normen leisten und wie sie angewendet werden, beschreibt das Deutsche Institut für Normung in seiner Einführung zu Normen und Standards. Das gleiche Haus erklärt in Wie eine DIN-Norm entsteht den Weg von der Projektidee über den Normenausschuss bis zur Veröffentlichung.

Beim Trinkwasseranschluss gilt DIN EN 1717. Sie verlangt eine Sicherungseinrichtung, damit Wasser aus Zisternen, Brunnen oder Grauwasserspeichern nicht in das öffentliche Netz gelangen kann. Üblich sind freier Auslauf, Rohrtrenner oder Systemtrenner, je nach Gefährdungsklasse.

Fördermittel für Bewässerung und Regenwasserbewirtschaftung

Direkte Zuschüsse für Bewässerungsanlagen sind selten, die Förderung läuft meist über Klimaanpassung und Regenwasserbewirtschaftung. Auf Bundesebene fördert das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen mit dem Programm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel investive Projekte der grünen Infrastruktur in Kommunen.

Die Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative unterstützt Kommunen bei Klimaschutzvorhaben. Ob eine Bewässerungsanlage förderfähig ist, entscheidet der jeweilige Förderaufruf. Hinzu kommen Länderprogramme für Stadtgrün, Schwammstadtkonzepte und Entsiegelung.

Antragsberechtigt sind fast immer Kommunen, Zweckverbände und kommunale Betriebe. Private Grundstückseigentümer und Wohnungsunternehmen erhalten in diesen Programmen in der Regel keine Zuschüsse.

Indirekt wirkt die gesplittete Abwassergebühr. Wer Niederschlagswasser zurückhält oder nutzt, zahlt in vielen Kommunen eine geringere Niederschlagswassergebühr. Das verbessert die Amortisation von Zisternen und Rigolen spürbar.

Eine Beispielrechnung zeigt die Größenordnung. Eine Anlage mit 6,75 Kubikmetern Tagesbedarf verbraucht über 120 Bewässerungstage rund 810 Kubikmeter Wasser. Bei einem Trinkwasserpreis von 2,20 Euro pro Kubikmeter netto und 7 Prozent Umsatzsteuer sind das etwa 1.900 Euro pro Jahr, ohne Wartung und Strom für die Pumpe.

Förderrichtlinien werden jährlich überarbeitet. Wer plant, prüft die aktuellen Förderaufrufe vor der Ausschreibung, weil Förderfähigkeit und Fristen je Programm wechseln. Eine Bewilligung vor Auftragsvergabe ist in allen Programmen Voraussetzung.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser braucht Rasen pro Quadratmeter und Tag?

In einer Hitzeperiode 3 bis 5 Liter, an Extremtagen bis 6 Liter pro Quadratmeter. Über eine Woche summiert sich das auf 20 bis 35 Millimeter. Eine Gabe von 15 bis 20 Millimetern deckt bei 4 Millimetern Tagesbedarf etwa vier bis fünf Tage ab.

Warum reicht ein Hausanschluss für große Anlagen nicht aus?

Ein Trinkwasser-Hausanschluss liefert je nach Druck und Rohrnetz 1,5 bis 2,5 Kubikmeter pro Stunde, also 25 bis 42 Liter pro Minute. Größere Anlagen brauchen 100 bis 200 Liter pro Minute, wenn sie in wenigen Stunden fertig sein sollen. Dann helfen Brunnen, Zisterne mit Pumpe oder viele Kreise nacheinander.

Tropfbewässerung oder Sprühbewässerung?

Tropfbewässerung passt zu Beeten, Hecken und Baumreihen, weil sie punktuell und verlustarm arbeitet. Sprüh- und Getrieberegner sind auf Rasenflächen überlegen, weil sie Flächen gleichmäßig und schnell versorgen. Gemischte Anlagen trennen beides in getrennte Kreise.

Welche Norm ist für die Auslegung maßgeblich?

Für Sportfreiflächen DIN 18035-2, für Pflanzflächen DIN 18916 und DIN 18919, für den Trinkwasseranschluss DIN EN 1717. Die Normen ersetzen keine Projektplanung, sie setzen Mindestanforderungen und einheitliche Begriffe.

Welche Fördermittel kommen infrage?

Für Kommunen das Bundesprogramm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel und die Kommunalrichtlinie, dazu Länderprogramme für Stadtgrün und Schwammstadt. Private Eigentümer profitieren meist nur indirekt, etwa über eine gesplittete Abwassergebühr.

In diesem Leitfaden

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