
Außenanlagen
Teil von Außenanlagen richtig planen und wassersparend anlegen
Wie lässt sich Niederschlagswasser in Außenanlagen zurückhalten und nutzen?
Niederschlagswasser in Außenanlagen zurückhalten: Rigolen, Zisternen, Mulden und Dachbegrünung mit Volumen, DIN 1989, DWA-Arbeitsblätter und Fördermitteln.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Vier Bausteine tragen die Rückhaltung: Rigole, Mulde, Zisterne und Dachbegrünung.
- Speichervolumen werden in Litern oder Kubikmetern bemessen.
- Unbeschichtete Kupfer-, Zink- und Bleidächer sind für die Nutzung ausgeschlossen.
- Die DIN 1989 regelt Regenwassernutzungsanlagen, die DWA-Arbeitsblätter die Versickerung.
- Fördermittel für Rückhaltung und Begrünung stehen in Bundes- und Kommunalprogrammen.
Rigolen, Zisternen, Mulden und Dachbegrünung
Jede Technik greift an einer anderen Stelle der Kette an: sammeln, speichern, versickern, verdunsten. Die Wahl hängt vom Boden, vom Platz und vom Wasserbedarf ab.
Eine Zisterne sammelt Wasser am Fallrohr. Das Volumen wird in Litern angegeben und reicht vom Fass bis zum Erdtank. Entscheidend ist der Bedarf der Bewässerung, nicht die Dachfläche allein.
Anlagen zur Nutzung arbeiten mit einem Filter, einem Überlauf und einer Trennung vom Trinkwassernetz. Für die Gartenbewässerung genügt Regenwasser ohne Aufbereitung.
Eine Rigole ist ein unterirdischer Kieskörper, der Wasser aufnimmt und an den Boden abgibt. Das Volumen wird in Kubikmetern bemessen. Grundlage ist das DWA-Regelwerk, besonders das Arbeitsblatt DWA-A 138 zur Versickerung von Niederschlagswasser.
Bemessen werden Rigolen nach Entwässerungsfläche, Regenspende und Durchlässigkeit des anstehenden Bodens. Reicht die Versickerungsleistung nicht, kombiniert die Planung Mulde und Rigole zu einem Element. Der Drosselabfluss wird dabei in Litern je Sekunde festgelegt.
Eine Mulde ist eine flache, bepflanzte Vertiefung. Ihr Einstauvolumen wird in Kubikmetern angegeben. Ein Notüberlauf führt Wasser ab, das die Mulde nicht mehr fasst. Mulden können zugleich Rasen oder Stauden tragen.
Eine Dachbegrünung hält Regen im Substrat zurück, die Pflanzen verdunsten ihn. Extensive Aufbauten arbeiten mit etwa 8 bis 15 Zentimetern Substrat, intensive mit deutlich mehr. Die Rückhalteleistung hängt von Substrattiefe, Gefälle und Speicherfähigkeit ab. Ein Retentionsdach mit zusätzlichem Speicherraum verzögert den Abfluss stärker als ein einfacher Aufbau.
Beispielrechnung mit eigenen Annahmen
In trockenen Sommern steigt der Bewässerungsbedarf. Das Umweltbundesamt bündelt unter Klimafolgen und Anpassung Hinweise zu Bewässerung und Regenwassernutzung bei Hitze.
Angenommen werden 100 Quadratmeter Ziegeldach, 600 Millimeter Jahresniederschlag und ein Abflussbeiwert von 0,8. Der Ertrag liegt bei 100 mal 0,6 mal 0,8, also 48 Kubikmetern im Jahr. Für die Bewässerung werden 30 Kubikmeter angenommen.
| Baustein | Annahme | Volumen |
|---|---|---|
| Zisterne | Erdtank am Fallrohr | 4.000 Liter |
| Rigole | Kieskörper unter der Rasenfläche | 2 Kubikmeter |
| Mulde | Einstauvolumen | 1,5 Kubikmeter |
| Dachbegrünung | 8 Zentimeter Substrat auf 100 Quadratmetern | 8 Kubikmeter Substrat |
Ein Erdtank mit 4.000 Litern deckt davon rund 4 Kubikmeter und damit etwa 13 Prozent des angenommenen Bedarfs. Ein Speicher verschiebt Wasser in trockene Tage, ersetzt aber nicht die laufende Bewässerung.
Normen, Regelwerke und Fördermittel
Die DIN 1989-1 beschreibt Planung, Bau und Betrieb von Regenwassernutzungsanlagen. Für Versickerungsanlagen gilt das DWA-Arbeitsblatt DWA-A 138, für die Bewertung von Niederschlagswasserabflüssen das Merkblatt DWA-M 153.
Welche Normen zur Nachhaltigkeit beitragen, bündelt das DIN unter Normen und Standards fördern Nachhaltigkeitsziele, auch für die blau-grüne Infrastruktur.
Einen Überblick über Förderprogramme des Bundes gibt die Datenbank Fördermöglichkeiten des BMUKN. Fördermittel für Dachbegrünung, Entsiegelung und Rückhaltung finden Bauherren auch in Programmen der Länder und Kommunen.
Zuschüsse sind oft an eine fachgerechte Ausführung gebunden und werden nach Abschluss der Arbeiten ausgezahlt. Anträge sollten deshalb vor Baubeginn gestellt werden.
Zum Betrieb gehören Wartung des Filters, Kontrolle des Überlaufs und die Reinigung der Dachrinne. Alle Bauteile sollten für Rückstau und Frost ausgelegt sein.
Kommunale Satzung und Abgrenzung zur EU-Wasserwiederverwendung
Die entscheidenden Regeln stehen oft vor Ort. Kommunale Satzungen können Meldepflichten oder einen Benutzungszwang für die Entwässerung vorsehen. Vor dem Bau eines Speichers lohnt ein Blick in die Satzung der eigenen Gemeinde.
Viele Gemeinden erheben eine gesplittete Abwassergebühr. Wer Niederschlagswasser zurückhält oder versickert, kann die niederschlagsbezogene Gebühr senken; die Anerkennung erfolgt meist über einen Nachweis der Anlage.
Das Umweltbundesamt beschreibt auf der Fachseite zur Anpassung an den Klimawandel, wie Städte und Grundstücke auf Hitze und Starkregen reagieren.
Davon zu unterscheiden ist die Wasserwiederverwendung auf EU-Ebene. Die Verordnung (EU) 2020/741 betrifft aufbereitetes Abwasser, vor allem für die landwirtschaftliche Bewässerung. Für ein privates Grundstück mit Regenwassernutzung ist sie deshalb kein Maßstab. Die Kommission prüft bis 2028, ob sie auf weitere Einsatzbereiche ausgeweitet wird.
Häufige Fragen
Welche Dächer sind für die Regenwassernutzung ungeeignet?
Wasser von beschmutzten Dächern und von unbeschichteten Kupfer-, Zink- oder Bleidächern darf nicht verwendet werden.
Muss ich die Regenwassernutzung bei der Gemeinde melden?
Das richtet sich nach der kommunalen Satzung. Sie kann Meldepflichten oder einen Benutzungszwang festlegen, eine allgemeine Meldepflicht folgt daraus nicht.
Wie groß sollte ein Speicher sein?
Er wird aus Ertrag und Bedarf berechnet, nicht aus der Dachfläche allein. Im Beispiel oben deckt ein Erdtank mit 4.000 Litern etwa 13 Prozent des Jahresbedarfs.
Welche Norm gilt für Regenwassernutzungsanlagen?
Die DIN 1989-1 beschreibt Planung, Bau und Betrieb solcher Anlagen; für die Versickerung gilt das DWA-Regelwerk.



