Gartenbau
Teil von Begrünung im Landschaftsbau: Planung, Ausführung und Pflege
Blühflächen fördern Biodiversität und sind pflegeleicht
Blühflächen anlegen und pflegen: Regiosaatgut, Pflegeintervalle, Kosten pro Quadratmeter sowie Vorgaben von FLL, BZL und BNatSchG für Kommunen und Betriebe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Regiosaatgut aus dem passenden Ursprungsgebiet ist die Grundlage dauerhafter Blühflächen im Freiraum.
- Zwei bis drei Mahdgänge pro Jahr genügen, der erste ab Mitte Juni.
- Saatgut kostet je nach Mischung etwa 0,40 bis 1,20 Euro pro Quadratmeter netto.
- FLL-Regelwerke und das BZL liefern Vorgaben zu Saatgutqualität, Ansaat und Pflege.
- Blühflächen lassen sich als Ausgleichsmaßnahmen nach der Eingriffsregelung anrechnen.
Saatgutmischungen und Ansaat im Ursprungsgebiet
Auf Flächen außerhalb von Gärten gilt Regiosaatgut als fachlicher Standard. Die Mischungen stammen aus einem definierten Ursprungsgebiet und passen zu den regionalen Klima- und Bodenverhältnissen. Zertifizierte Ware trägt die Kennzeichnung VWW-Regiosaaten.
§ 40 des Bundesnaturschutzgesetzes regelt das Ausbringen von Pflanzen in der freien Natur. Deshalb gehört gebietseigenes Saatgut bei öffentlichen Projekten zum Standard.
Bewährt haben sich mehrjährige Kräuter-Gräser-Mischungen mit 30 bis 50 Arten, etwa mit Wiesen-Salbei, Glockenblume und Margerite. Für befristete Standorte wie Baustellenzufahrten dienen einjährige Mischungen mit Phacelia oder Senf.
Die Ansaat läuft in vier Schritten ab:
- Boden flach fräsen, zwei bis fünf Zentimeter tief lockern und Wurzelunkräuter entfernen.
- Saatgut mit zwei bis vier Gramm pro Quadratmeter gleichmäßig ausbringen.
- Fläche anwalzen, damit die Saat Bodenkontakt erhält.
- In den ersten Wochen bei Trockenheit zwei bis drei Wassergaben einplanen.
Pflegeintervalle im Jahresverlauf
Zwei bis drei Schnitte pro Jahr halten eine Blühfläche dauerhaft artenreich. Der erste Mahdgang folgt ab Mitte Juni, wenn die Frühblüher versamt sind. Zwischen den weiteren Schnitten liegen sechs bis acht Wochen.
- Schnitthöhe von 8 bis 12 Zentimetern, am besten mit Balkenmähwerk.
- Mahdgut abräumen, sonst verfilzt die Narbe und Nährstoffe reichern sich an.
- Altgrasstreifen von 10 bis 20 Prozent der Fläche über den Winter stehen lassen.
- In Streifen mähen, damit Insekten in benachbarte Bereiche ausweichen können.
- Düngung und Pflanzenschutzmittel bleiben auf Blühflächen tabu.
Im ersten Jahr sind zwei bis drei flache Schröpfschnitte auf 10 Zentimeter üblich, um Unkraut zurückzudrängen. Bei starkem Aufwuchs von Ackerkratzdistel oder Ampfer sind drei Mahdgänge nötig.
Kosten pro Quadratmeter: Beispielrechnung
Saatgut und Herstellung bewegen sich je nach Mischung, Flächengröße und Bodenzustand in einem breiten Korridor. Das Umweltbundesamt informiert über Bodenschutz und die Folgen der Versiegelung, die eine Begrünung erschweren.
| Position | Ansatz | Kosten pro Quadratmeter (netto) |
|---|---|---|
| Regiosaatgut | 2 bis 4 Gramm je Quadratmeter | 0,40 bis 1,20 Euro |
| Bodenvorbereitung | einmalig | 0,30 bis 0,60 Euro |
| Ansaat und Walzen | einmalig | 0,10 bis 0,20 Euro |
| Fertigstellungspflege im Jahr 1 | 2 Schnitte | 0,15 bis 0,30 Euro |
| Unterhaltungspflege in Folgejahren | 2 Schnitte jährlich | 0,10 bis 0,20 Euro |
Beispielrechnung für 1.000 Quadratmeter: 0,60 Euro pro Quadratmeter Saatgut, 0,30 Euro für die Bodenvorbereitung und 0,15 Euro für die Ansaat ergeben rund 1.050 Euro netto einmalig.
Für die Pflege kommen im ersten Jahr 0,20 Euro pro Quadratmeter hinzu, also 200 Euro. In den Folgejahren kostet die Unterhaltung mit zwei Schnitten etwa 0,15 Euro pro Quadratmeter und Jahr, für die Beispielsfläche 150 Euro. Bei zusammenhängenden Flächen ab 5.000 Quadratmetern liegen die Saatgutpreise meist am unteren Rand des Korridors.
Alle Beträge sind Orientierungswerte netto zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer, Stand 2025.
Rechtliche Grundlagen und Fördermöglichkeiten
Die Eingriffsregelung erlaubt es, unvermeidbare Eingriffe über Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu kompensieren. Kommunen rechnen Blühflächen deshalb regelmäßig auf ihr Ökokonto an. Voraussetzung ist eine dauerhafte Sicherung, dokumentiert über Fotos und Mahdprotokolle.
Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt benennt den Erhalt und die Entwicklung artenreicher Lebensräume als Ziel. Kommunale Blühflächen leisten dazu einen messbaren Beitrag.
Fachliche Vorgaben kommen von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), die Regelwerke zu Begrünung, Saatgut und Fertigstellungspflege veröffentlicht. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) stellt Praxiswissen zu Blühstreifen und Ansaatverfahren bereit.
Häufige Fragen
Welches Saatgut eignet sich für kommunale Blühflächen?
Für dauerhafte Flächen Regiosaatgut mit 30 bis 50 Arten aus dem passenden Ursprungsgebiet. Einjährige Mischungen sind nur für Übergangsstandorte sinnvoll.
Wie oft muss eine Blühfläche gemäht werden?
Zwei bis drei Mal pro Jahr, erstmals ab Mitte Juni. Im ersten Jahr kommen zwei bis drei flache Schröpfschnitte zur Unkrautkontrolle hinzu.
Was kostet ein Quadratmeter Blühfläche?
Die Anlage liegt bei etwa 0,80 bis 2,00 Euro pro Quadratmeter netto, die jährliche Pflege bei 0,10 bis 0,20 Euro pro Quadratmeter netto.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Ansaat?
Im Frühjahr von April bis Mai oder im Spätsommer von August bis September. Sommeransaaten benötigen zusätzliche Wassergaben.
Brauchen Blühflächen Dünger?
Nein. Magere Standorte sind artenreicher, Düngergaben fördern Gräser und konkurrenzstarke Problemarten.