Gartenbau
Teil von Begrünung im Landschaftsbau: Planung, Ausführung und Pflege
Dachbegrünung bietet Vorteile für Regenwasser und Energie
Dachbegrünung: Retention von 20 bis 90 Litern pro Quadratmeter, Dämmwerte, Aufbauten, Substrate und Förderung für Bauherren und Planer im Überblick.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Extensive Gründächer halten 20 bis 40 Liter Regenwasser je Quadratmeter zurück, intensive Aufbauten bis zu 90 Liter.
- Nach DIN 1986-100 sinkt der Abflussbeiwert auf 0,3 bei extensiver und 0,1 bei intensiver Begrünung.
- Substrat und Pflanzen wirken als zusätzliche Dämmschicht und halten die Dachhaut im Sommer kühl.
- Ein eigenes KfW-Programm für Dachbegrünung gibt es nicht, Zuschüsse kommen von Kommunen und Ländern.
- Wurzelschutz, Dränage, Filtervlies und ein passendes Substrat gehören in jeden Aufbau.
Regenwasser zurückhalten und Kanäle entlasten
Starkregen trifft Städte härter als das Umland. Ein begrüntes Dach nimmt einen Teil des Niederschlags auf, speichert ihn in Substrat und Dränschicht und gibt ihn verzögert ab. Das entlastet die Kanalisation, weil Abflussspitzen kleiner werden. Das Umweltbundesamt ordnet diese Vorsorge in seine Fachseite zur Anpassung an den Klimawandel ein.
Extensive Aufbauten mit acht bis fünfzehn Zentimetern Substrat speichern 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter. Intensive Dächer ab 25 Zentimetern kommen auf 50 bis 90 Liter. Retentionsgründächer mit zusätzlichem Speicherkörper drosseln den Abfluss auf wenige Liter pro Sekunde. Über das Jahr bleiben 50 bis 90 Prozent des Niederschlags im Aufbau.
| Aufbau | Substratdicke | Rückhalt je Quadratmeter |
|---|---|---|
| Extensiv | 8 bis 15 Zentimeter | 20 bis 40 Liter |
| Intensiv | ab 25 Zentimeter | 50 bis 90 Liter |
| Retentionsdach | ab 15 Zentimeter plus Speicher | 60 bis 90 Liter |
Für die Planung zählt das Rückhaltevolumen, nicht die Dachfläche allein. Kommunale Starkregenkarten zeigen, welche Bereiche betroffen sind. Wo Kanäle an ihre Grenzen kommen, verlangen Satzungen eine Drosselung des Dachabflusses. Ein Retentionsdach erfüllt diese Vorgabe oft ohne zusätzlichen Erdbau.
Für Bauherren zahlt sich das doppelt aus. Wo eine gesplittete Abwassergebühr gilt, wird nur die versiegelte Fläche herangezogen. Begrünte Dächer werden mit einem niedrigeren Faktor angesetzt, die Jahresgebühr sinkt.
Aufbau und Substrat Schritt für Schritt
Der Aufbau folgt von unten nach oben einem festen Schema:
- Abdichtung nach DIN 18531 prüfen und protokollieren.
- Wurzelschutzbahn verlegen, bei empfindlichen Abdichtungen zusätzlich.
- Drän- und Speicherschicht einbauen und den Rückhalt auslegen.
- Filtervlies gegen Feinanteile aus dem Substrat auslegen.
- Substrat aufbringen und standortgerecht bepflanzen.
Extensive Dächer bekommen mineralische Substrate aus Lava, Bims, Blähton oder Ziegelsplit mit geringem Kompostanteil. Darauf wachsen Moose, Sedum und Kräuter. Intensive Aufbauten enthalten mehr organische Bestandteile, halten Wasser besser und tragen Stauden und Gräser. Die Dachbegrünungsrichtlinie der FLL beschreibt Substrate und Abflussbeiwerte, DIN regelt Abdichtung und Entwässerung. Einen Überblick über Normen und Standards für Nachhaltigkeit gibt DIN.
Steildächer brauchen Schubsicherungen. Bei Neigungen über 15 Grad halten Dränmatten und Rasterprofile das Substrat an seinem Platz. Die Entwässerung erhält einen Notüberlauf, damit Wasser bei Starkregen kontrolliert abgeführt wird.
Ein extensives Dach wiegt gesättigt rund 100 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter, ein intensives 300 bis 500 Kilogramm. Die Statik gehört vor die Bestellung des Substrats.
Dämmwerte und Energie im Sommer und Winter
Der bewachsene Aufbau bremst den Wärmedurchgang. In seiner Wirkung entspricht er einer zusätzlichen Dämmstofflage von zwei bis vier Zentimetern. Im Winter fallen die Wärmeverluste etwas kleiner aus, im Sommer bleibt die Dachhaut kühler als bei Kies. Die Verdunstung der Pflanzen entzieht der Umgebung Wärme und senkt die Kühllast der obersten Geschosse.
Der sommerliche Wärmeschutz ist der zweite Effekt. Nach DIN 4108-2 wirkt der Aufbau wie eine zusätzliche Dämmschicht und verschiebt die Temperaturspitze in die Abendstunden. In dicht bebauten Quartieren senkt das die Aufheizung der obersten Wohnung.
Photovoltaikmodule über einem Gründach bleiben kühler, was den Ertrag begünstigt. Empfehlungen zu Bewässerung und Regenwassernutzung bei Hitze fasst das Umweltbundesamt zusammen.
Förderung für Bauherren und Kommunen
Dachbegrünung ist kein eigenes KfW-Programm. Die KfW fördert energetische Sanierungen und Effizienzhäuser, in deren Rahmen das Dach ohnehin bearbeitet wird. Das BMUKN bündelt Zuschüsse für Klimaanpassung; die Fördermöglichkeiten des BMUKN richten sich an Kommunen und Projektträger.
Viele Städte zahlen zusätzlich einen Zuschuss je Quadratmeter begrünter Fläche. Vor dem Bau lohnt der Blick in die Satzung der Gemeinde, weil sich Fördersätze und Gebührenregeln unterscheiden. Anträge laufen meist vor Baubeginn, Belege wie Rechnungen und Aufbaupläne werden nachgereicht.
Häufige Fragen
Wie viel Regenwasser hält ein extensives Gründach zurück?
Je nach Substratdicke 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter. Über das Jahr bleiben 50 bis 90 Prozent des Niederschlags im Aufbau, der Rest verdunstet oder läuft verzögert ab.
Welche Normen gelten für ein Gründach?
DIN 18531 regelt die Abdichtung, DIN 1986-100 den Abfluss und DIN 4108 den Wärmeschutz. Die Dachbegrünungsrichtlinie der FLL beschreibt Aufbauten und Substrate.
Zahlt die KfW die Dachbegrünung?
Ein eigenes Programm besteht nicht. Wird das Dach gedämmt, lässt sich die Begrünung mit der KfW-Förderung für Effizienzhäuser verbinden. Kommunen zahlen häufig Zuschüsse je Quadratmeter.
Ab welcher Dachneigung ist eine Begrünung möglich?
Flachdächer und Dächer bis etwa 15 Grad sind Standard. Steilere Dächer brauchen Schubsicherungen und ein angepasstes Dränsystem.