Karte zu Bewässerung, Verdunstung und Regenwasserertrag im Garten
Bild: Grünanlagenheft

Bewässerung

Teil von Bewässerung planen: Wasserbedarf ermitteln und Systeme auswählen

Sommerpflege bei Hitze: Bewässerung und Regenwassernutzung belegt planen

Bewässerung und Regenwassernutzung bei Hitze belegt planen: Wasserbedarf, Bewässerungszeiten, Regenwasserertrag und Speichergröße mit DWD- und UBA-Daten.

Das Wichtigste auf einen Blick

Wichtigste Planungszahlen

  • 5–6 mmVerdunstung an Hitzetagen
  • 1 mm/m²ergibt 1 Liter
  • 96.000 LiterDach 200 m², 600 mm, Abfluss 0,8
  • DWA-A 138Versickerung
  • Der Zusatzbedarf folgt aus Verdunstung, Niederschlag und nutzbarer Feldkapazität, nicht aus einer Pauschale.
  • Planungsgröße an Hitzetagen5 bis 6 Millimeter Verdunstung, also 5 bis 6 Liter je Quadratmeter und Tag ersetzen.
  • Bewässert wird zwischen Sonnenaufgang und etwa 8 Uhr, sensorgesteuert und gezielt im Wurzelraum.
  • Ein Millimeter Regen auf einen Quadratmeter ergibt einen Liter; 200 Quadratmeter Dach liefern bei 600 Millimetern und Abflussbeiwert 0,8 rund 96.000 Liter im Jahr.
  • DWA-A 138 regelt die Versickerung, DIN 1989-1 die Regenwassernutzung, die EU-Verordnung 2020/741 nur die landwirtschaftliche Bewässerung.

Wasserbedarf aus Wetterdaten und Bodenwerten ableiten

Der Klimastatusbericht des Deutschen Wetterdienstes bündelt jährlich Daten zu Hitze, Trockenheit, Niederschlag und Bodenfeuchte. Er weist auch die Erwärmung aus: Die mittlere Lufttemperatur in Deutschland liegt rund 1,6 Grad Celsius über dem Wert von 1881.

Im langjährigen Mittel fallen hierzulande etwa 790 Millimeter Niederschlag pro Jahr. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind es regional 500 bis 600 Millimeter, am Alpenrand über 1500.

Für ein Grünflächenamt zählt die eigene Stationsreihe mehr als der Bundesmittelwert. Entscheidend ist der Zusatzbedarf, also die Wassermenge über den natürlichen Niederschlag hinaus.

Die kleine Bodenkunde des Umweltbundesamts erklärt, warum Sand wenig und Lehm viel Wasser hält. Als Anhaltswert gilt: In 30 Zentimetern durchwurzelter Schicht speichert Sand 40 bis 50 Liter je Quadratmeter, schluffiger Lehm 60 bis 70 Liter.

Das Umweltbundesamt beschreibt unter Klimafolgen und Anpassung, dass Hitze den Wasserbedarf der Vegetation steigert und Nutzungskonflikte mit der Trinkwasserversorgung entstehen können.

Bewässerungszeiten und Mengen konkret festlegen

Gegossen wird am frühen Morgen, zwischen Sonnenaufgang und etwa 8 Uhr. Dann sind Verdunstung und Wind gering, und die Blätter trocknen bis zum Abend ab. Das bremst Pilzbefall.

Die Menge folgt der Verdunstung. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht in seiner Agrarmeteorologie Tageswerte der Grasreferenzverdunstung. An Hitzetagen werden 5 bis 6 Millimeter erreicht.

Rechenbeispiel für 500 Quadratmeter Rasen

Bei 5 Millimetern fehlen auf 500 Quadratmetern 2.500 Liter pro Tag. Ein Regner mit 20 Litern pro Minute läuft dafür rund 125 Minuten. Werden nur zwei Drittel ersetzt, gerät die Narbe nach wenigen Tagen in Trockenstress. Beispielrechnung, keine Messung.

Tropfbewässerung gibt Wasser punktuell im Wurzelraum ab, übliche Tropferleistungen liegen bei 1,6 bis 2,3 Litern pro Stunde. Für Beete und Gehölzstreifen ist sie die genauere Lösung, für Sportrasen bleibt der Kreisregner sinnvoll.

Bodenfeuchtesensoren steuern die Abgabe am realen Bedarf. Der Soil-Clik von Hunter unterbricht das Programm, sobald die eingestellte Feuchteschwelle im Wurzelraum erreicht ist. Der SMRT-Y von Rain Bird gibt die Bewässerung erst bei trockenem Boden frei. Für größere Anlagen liefert Netafim Tropfrohre und Steuergeräte.

Gießmulden halten Wasser an Neupflanzungen, Mulch und höhere Schnitthöhen senken den Stress. Mechanische Arbeiten werden an Hitzetagen verschoben.

Regenwasserertrag und Speichergröße rechnen

Ein Millimeter Niederschlag auf einen Quadratmeter ergibt einen Liter. Der Jahresertrag folgt aus Dachfläche, Niederschlagshöhe und Abflussbeiwert, für geneigte Ziegeldächer werden 0,8 angesetzt.

Regenwasserertrag und Speichergröße

DachflächeErtrag bei 600 mmErtrag bei 800 mm
100 Quadratmeter48.000 Liter64.000 Liter
200 Quadratmeter96.000 Liter128.000 Liter
500 Quadratmeter240.000 Liter320.000 Liter

Werte mit Abflussbeiwert 0,8, Beispielrechnung.

Rechenbeispiel für die Speichergröße

Ausgerichtet wird der Speicher am Bedarf einer Trockenperiode, nicht am maximalen Zufluss. Bei 500 Quadratmetern Fläche, 3 Litern je Quadratmeter und Tag und 21 Tagen ohne Regen sind 31.500 Liter nötig, also 31,5 Kubikmeter. DIN 1989-1 regelt Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung solcher Anlagen. Ein Filter hält Laub zurück, ein Überlauf führt Überschuss ab.

Rechtlichen Rahmen vor der Planung klären

Kommunale Satzungen können Meldepflichten oder einen Benutzungszwang vorsehen. Prüfen Sie die örtliche Regelung, bevor Speicher und Anschluss geplant werden. Das Umweltbundesamt ordnet solche Vorsorgemaßnahmen auf seiner Seite zur Anpassung an den Klimawandel ein.

Für Versickerung und Bewirtschaftung von Niederschlagswasser liefert das DWA-Regelwerk A 138 die anerkannten Planungsregeln. Unbeschichtetes Kupfer, Zink oder Blei und stark verschmutzte Dächer scheiden für die Sammlung aus.

Die EU-Verordnung 2020/741 regelt Mindestanforderungen für die Wiederverwendung von Wasser in der landwirtschaftlichen Bewässerung. Bis 2028 wird geprüft, ob der Anwendungsbereich wächst. Eine deutsche Regelung für Grünflächen ist nicht belegt.

Häufige Fragen

Wann sollte im Sommer bewässert werden?

Zwischen Sonnenaufgang und etwa 8 Uhr, weil Verdunstung und Wind dann gering sind und die Blätter bis zum Abend abtrocknen.

Wie viel Wasser braucht eine Fläche pro Tag?

Als Planungsgröße wird die Grasreferenzverdunstung des Vortages ersetzt, an Hitzetagen 5 bis 6 Liter je Quadratmeter. Die Tageswerte liefert der Deutsche Wetterdienst.

Wie groß muss der Regenwasserspeicher sein?

So groß, dass er den Bedarf einer Trockenperiode von zwei bis drei Wochen deckt, für 500 Quadratmeter und 3 Liter je Quadratmeter und Tag also 31,5 Kubikmeter.

Welche Dachflächen eignen sich für die Sammlung?

Beschichtete Ziegel- und Betondächer. Unbeschichtetes Kupfer, Zink oder Blei und stark verschmutzte Flächen scheiden aus.

Darf aufbereitetes Wasser auf Grünflächen?

Die EU-Verordnung 2020/741 gilt für die landwirtschaftliche Bewässerung. Wie Deutschland die Wiederverwendung auf Grünflächen regelt, ist offen.

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